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Warum Abfall immer noch wertvoll ist

Müllreduzierung ist das Gebot der Stunde. Was dann noch an Abfall übrig bleibt, wird recycelt oder zum Beispiel in Strom bzw. Fernwärme umgewandelt. Das ist insbesondere für Hausbesitzer interessant.

Jeder Mensch produziert täglich Abfall. So kommen laut dem Statistischen Bundesamt in den deutschen Haushalten pro Kopf und Jahr zwischen 450 und 500 Kilogramm Müll zusammen. Knapp die Hälfte davon entfällt auf Haus- und Sperrmüll, rund 150 Kilogramm sind Wertstoffe und mehr als 100 Kilogramm sind Biomüll – wie gesagt, pro Kopf. Eine vierköpfige Familie wirft somit in jedem Jahr Abfall weg, der dem Gewicht einer Oberklassen-Limousine entspricht. Noch in den 60er Jahren wanderte dies alles in eine einzige Tonne, die jeder Haushalt vor der Tür stehen hatte. Erst gegen Ende der 70er Jahre wandelte sich das Umweltbewusstsein: Glascontainer wurden aufgestellt, Altpapier wurde regelmäßig abgeholt und vor rund 30 Jahren wurde der „Grüne Punkt“ ins Leben gerufen. Seitdem werden Glas, Altpapier, Verpackungen, Elektroschrott, organische Abfälle aus Küche und Garten getrennt erfasst und wiederverwertet. Problem- und Sondermüll wird auf den Wertstoffhöfen abgegeben. Restmüll wird verbrannt Was nicht in eine dieser Kategorien fällt, wandert als Restmüll in die schwarze Tonne und wird in ein Müllheizkraftwerk (MHKW) wie beispielsweise im Osten Würzburgs gefahren und dort zusammen mit Sperrmüll und Mischabfällen aus Produktionsbetrieben verbrannt. Aber auch im MHKW findet eine Verwertung statt, denn der Abfall wird nicht einfach „nur“ verbrannt. Bei der Müllverbrennung entsteht thermische Energie, die als energiereicher Wasserdampf zur Produktion von Strom und Fernwärme für die Region benutzt wird. Diesen Prozess nennt man energetische Verwertung. 25 Prozent dieser erzeugten Energie decken den Eigenbedarf des MHKW und 75 Prozent werden in das Strom- und Fernwärmenetz eingespeist. „Im Rahmen eines durch die Stadt Würzburg initiierten integrierten Klimaschutzkonzepts wird auch darüber beraten, das Fernwärmenetz weiter auszubauen. Ziel dabei ist, Gas und Öl als Energiegrundlage zu verdrängen, um CO2 und Stickoxide zu reduzieren“, erklärt Armin Lewetz, Geschäftsführer der Heizkraftwerk Würzburg GmbH. Mittelfristig kann der Anteil von regenerativer Fernwärme durch den Einsatz von sogenannten Biofuels steigen, wie beispielsweise durch die Verfeuerung von Biomethan oder Wasserstoff im Heizkraftwerk. Durch den biogenen Anteil im Restmüll sind bereits heute rund 50 Prozent der Energie aus dem Müllheizkraftwerk in Würzburg regenerativen Ursprungs.

Ziel dabei ist, Gas und Öl als Energiegrundlage zu verdrängen, um CO2 und Stickoxide zu reduzieren.

Armin Lewetz, Geschäftsführer der Heizkraftwerk Würzburg GmbH

Fernwärme – was ist das? Restmüll aus privaten Haushalten und Gewerbebetrieben sowie Sperrmüll und Mischabfälle werden zur Verbrennung in das Müllheizkraftwerk gebracht. Mit der so entstehenden Wärme wird ein Wasserkreislaufsystem erhitzt. Dies kann man sich wie bei einer Heizung im Auto vorstellen: Der Verbrennungsmotor verbrennt Kraftstoff. Da dieser Prozess bei für den Motor eigentlich zu hohen Temperaturen stattfindet, schaltet man einen Wasserkreislauf dazwischen, der die Abwärme des Motors aufnimmt und bei Bedarf in den Innenraum des Fahrzeugs abgibt. So funktioniert, sehr vereinfacht dargestellt, die Fernwärmeerzeugung: „Die bei der Verbrennung freigesetzte Energie erzeugt unter hohem Druck Wasserdampf mit einer Temperatur von über 400 °C und einem Druck von 42 bar. Dieser strömt durch eine Dampfturbine, die einen Generator zur Stromerzeugung antreibt“, sagt Armin Lewetz. Anschließend wird ein Teil des Dampfes zur Fernwärmeversorgung der Turbine entnommen und in das Fernwärmenetz eingespeist.

Das Besondere daran ist, dass der entnommene Fernwärmedampf bereits in der Dampfturbine Strom erzeugt hat. Der Abdampf der Dampfturbine wird somit nach der Stromerzeugung noch zur Versorgung des Fernwärmenetzes genutzt. „Allerdings wird das Dampfnetz seit zehn Jahren langsam in ein kostengünstiger zu betreibendes Warmwassernetz umgebaut. Die Fernwärmeversorgung erfolgt ebenfalls mit aus dem Dampf kondensiertem Wasser, das in ein separates Rohrnetz geleitet wird. Die Temperaturen liegen für das Dampfnetz am Kraftwerksausgang um 180 °C bei 3 bar, wobei beim Kunden noch 130 °C ankommen. Im Heißwassernetz liegen sie zwischen 80 und 120 °C bei einem Druck von knapp unter 9 bar“, so Frank Backowies, Bereichsleiter Marktmanagement der Würzburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (WVV). Die doppelte Nutzung von Dampf bzw. Wasser, einmal zur Stromerzeugung und danach zur Wärmeversorgung, nennt man Kraft-Wärme-Kopplung. Im Kleinen findet man dieses Prinzip auch in Blockheizkraftwerken verwirklicht, die Häuser und Gewerbebetriebe versorgen. Durch die gleichzeitige Nutzung der Abwärme sowohl für die Strom- als auch für die Fernwärmeproduktion wird der Gesamtwirkungsgrad des Kraftwerks deutlich gesteigert und zusätzlich Primärenergie eingespart, da das Wasser nur einmal erhitzt wird. „Die getrennte Produktion von Strom und Fernwärme würde in Würzburg einen um 20 Prozent höheren Energieverbrauch erfordern“, hebt Armin Lewetz den Vorteil der Kraft-Wärme-Kopplung hervor. Durch sie entsteht weniger des Treibhausgases Kohlendioxid, was der Umwelt zugutekommt. Die Kraft-Wärme-Kopplung hat somit ökologische und ökonomische Vorteile und ist damit konkurrenzfähig zu anderen umweltfreundlichen Techniken. Anwendung findet die Kraft-Wärme-Kopplung sowohl im Heizkraftwerk als auch im Müllheizkraftwerk. In Würzburg werden durch dieses Verfahren rund 99 Prozent der Fernwärme erzeugt. Im deutschlandweiten Vergleich ein Spitzenplatz.

Baustellen prägen Würzburgs Straßenbild. Der Pluspunkt daran: In Kürze können noch mehr Bürgerinnen und Bürger klimafreundliche Fernwärme nutzen.

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Fernwärme in Würzburg

Die Idee für eine Fernwärmeversorgung in Würzburg ist schon sehr früh entstanden. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg erinnerte man sich an die vielen fossilbefeuerten Öfen und Küchenherde. Sie sorgten ganzjährig für eine Rauchgasbelastung der Innenstadt. Dazu kommt, dass Würzburg in einem Talkessel liegt, in dem sich bei Windstille und Inversionswetterlage alle Abgase sammeln. Haushalte mit Einzelbefeuerungen wollte man im Zuge des Neuaufbaus verhindern und so entschied man sich bereits mit dem Bau des Heizkraftwerks am Main an der Friedensbrücke zu einer Fernwärmeversorgung der Stadt mit dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Seit 1954 wird Würzburg zu einem guten Teil mit Fernwärme versorgt. Beim Bau des Müllheizkraftwerkes 1984 ist man diesem Prinzip treu geblieben.