Wer kann Fernwärme nutzen? Wer als Häuslebauer über eine Heizung nachdenkt, sollte unbedingt auch die Fernwärme in die engere Wahl nehmen. Besonders KfW-55- und KfW-45-Häuser können beim Bau mit Zuschüssen rechnen. Darüber hinaus entfällt die Vorgabe, zusätzlich eine Photovoltaikanlage zu bauen oder eine Wärmepumpe zu installieren. „Fernwärme hat den Vorteil, dass man keine Heizungsanlage im Haus installieren muss. Entsprechend entfallen Wartung und Reparaturen“, betont Frank Backowies. Allerdings sind zurzeit noch nicht alle Würzburger Stadtteile an das Fernwärmenetz angeschlossen. Vor allem die Innenstadt verfügt über ein dichtes Netz, außerdem verfügen die nördliche Sanderau, weite Teile der Zellerau, der Mönchberg, der neue Stadtteil Hubland und das Gewerbegebiet Ost ebenfalls über ein Fernwärmenetz, wenn auch nicht so dicht wie in der Innenstadt. In Zahlen ausgedrückt: rund 20 Prozent der Stadt werden heute mit Fernwärme versorgt. Damit sind in Würzburg mehr als 1.000 Immobilien – Gewerbegebäude, Mehr- und Einfamilienhäuser – an das Fernwärmenetz angeschlossen. Erweitert wurde das Fernwärmenetz inzwischen in Richtung Rottendorf. Bereits jetzt versorgt es das Gut Wöllried mit seinen einzelnen Gebäuden einschließlich eines Gewächshauses. Das Baugebiet am Sand in Rottendorf wird folgen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass einzelne Großabnehmer dafür sorgen, dass der weitere Ausbau ins Laufen kommt. Die Erschließung des Neubaugebietes in Rottendorf war ein gemeinsames Projekt zwischen dem Zweckverband Abfallwirtschaft und der Stadtwerke Würzburg AG und steht für die kommunale Zusammenarbeit über Gebietskörperschaften hinweg. Ob man als Häuslebauer im Einzelfall Fernwärme nutzen kann, lässt sich am besten durch einen Anruf bei der WVV klären. Fernwärmenutzung – das Kunststoff-Zentrum (SKZ) im Gewerbegebiet Ost Am Beispiel des SKZ im Gewerbegebiet Ost lässt sich zeigen, dass Fernwärme nicht nur zum Heizen genutzt werden kann. Die neue SKZ-Modellfabrik benötigt Kälte und die kann durch Energieumwandlung aus Wärme bereitgestellt werden statt wie bisher aus Strom. Der Kältebedarf ist naturgemäß im Sommer am höchsten, wenn der Wärmebedarf fürs Heizen am geringsten ist. Da aber auch dann Abfall im MHKW verbrannt wird, ist es nur folgerichtig, Kühltechnik aus Wärme zu nutzen. Ein Modell mit Zukunft, denn weil Gebäude immer energieeffizienter werden, benötigt man weniger Energie zum Heizen.

Der Anteil des MHKW an der Fernwärmeerzeugung im Jahr beträgt rund 20 Prozent.
Frank Backowies, Bereichsleiter Marktmanagement der Würzburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (WVV)
Versorgungssicherheit für Würzburg mit zwei Heizkraftwerken Mit Inbetriebnahme des MHKW 1984 produziert im Raum Würzburg neben dem Heizkraftwerk (HKW) an der Friedensbrücke ein weiteres Kraftwerk Strom und Fernwärme. Der Verbund verfügt über ein eigenes Lastmanagement: „Während das HKW die Mittel- und Spitzenlast trägt, deckt das MHKW die elektrische und thermische Grundlast. Die Verfügbarkeit beider Anlagen steht dabei im Vordergrund, was vor allem in Hochlastzeiten wie im Winter von Bedeutung ist. Der Anteil des MHKW an der Fernwärmeerzeugung im Jahr beträgt rund 20 Prozent“, erklärt Frank Backowies. Beide Heizkraftwerke können unabhängig voneinander die jeweiligen Produktionsmengen von Strom und Fernwärme steuern, je nach Erfordernis. Der Kunde bekommt davon nichts mit und muss sich auch keine Sorgen um Ausfälle machen. „Während das HKW seine Energie aus Erdgas bezieht, ist es beim MHKW, wie der Name schon sagt, Müll, und zwar jährlich 200.000 Tonnen. Dieser besteht nahezu zur Hälfte aus biogenen Abfällen und ist damit auch zur Hälfte regenerativen Ursprungs“, betont Armin Lewetz. Das Müllaufkommen schwankt zwar im Verlauf des Jahres, trotzdem ist die Müllmenge in jedem Fall ausreichend, um jederzeit umweltfreundlich Strom und Fernwärme zu erzeugen. Die Zukunft der Fernwärme Stillstand bedeutet Rückstand. Und so macht man sich auch beim Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg (ZVAWS) Gedanken darüber, wie es mit der Fernwärme in der Zukunft weitergehen könnte. „Deshalb ist daran gedacht, nach dem Hubland weitere Stadtteile in das Fernwärmenetz aufzunehmen bzw. das Fernwärmenetz zu verdichten“, sagt Frank Backowies. Auch wenn das Müllaufkommen zurückgehen sollte, gibt es beispielsweise durch die Förderung grüner Energien weitere Möglichkeiten, Fernwärme in beiden Würzburger Heizkraftwerken zu erzeugen: „So könnten zusätzlich und klimaneutral synthetische Biokraftstoffe auf der Basis von Biomasse wie Stroh, Holzabfällen oder anderen nachwachsenden Rohstoffen eingesetzt werden“, so Frank Backowies weiter. In diesem Zusammenhang ist auch „Power-to-Gas“ eine interessante, aber bisher noch nicht vollständig ausgereifte Vorstellung: Windräder produzieren Strom, der für die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff benutzt wird. Der Wasserstoff daraus wird für die Herstellung von Methan verwendet, das in das Erdgasnetz eingespeist wird und auf Abruf Energie für das Kraftwerk produziert. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Fernwärme spielt auch Regionalisierung der Stromproduktion eine Rolle: „Rund 750 regionale EEG-Anlagenbetreiber liefern Strom an die Stadtwerke Würzburg. Dieser Strom wird mit Biogasanlagen, Photovoltaikanlagen oder durch Windkraft erzeugt“, sagt Florian Doktorczyk, Abteilungsleiter Vertrieb bei den Stadtwerken Würzburg. So kann der Endkunde sich aussuchen, woher sein Strom kommt. Weitere Informationen unter www.meinregionalstrom.de
Die Modernisierung des HKW – ein weiterer Beitrag zur Energiewende Das Heizkraftwerk an der Friedensbrücke wird seit Anfang 2019 umfangreich modernisiert. In diesem Jahr wurde auch die Gasturbine GT I erneuert, die das Vorläufermodell aus dem Jahr 2005 ersetzt. „Zusammen mit einer neuen Dampfturbine wird damit im Heizkraftwerk in den Wintermonaten ein Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent erreicht“, so Armin Lewetz. Ebenfalls wurde ein neuer Wärmespeicher in Betrieb genommen, der bei der Fernwärmeversorgung mit Heißwasser eine Pufferfunktion erfüllt und die Versorgungssicherheit sowie Flexibilität erhöht. Die umfangreiche Modernisierung stellt einen weiteren Meilenstein zur Reduzierung von CO2-Emissionen dar und leistet damit einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. Insgesamt belaufen sich die Kosten dieser Maßnahmen auf rund 47 Millionen Euro. Das Müllheizkraftwerk und das Heizkraftwerk stellen somit die Grundvoraussetzung sowohl für eine sichere Fernwärmeversorgung aus Kraft-Wärme-Kopplung als auch für eine zukünftige Bereitstellung regenerativer Wärme durch den Einsatz von Biobrennstoffen.

Neue Rohrleitungen in Würzburgs Innenstadt.

Vorteile der Fernwärme
- keine eigene Heizung erforderlich
- Einsparen von Reparatur- und Wartungskosten
- sichere Wärmeversorgung
- kalkulierbare Kosten ohne finanzielle Überraschungen
- Unabhängigkeit von Handwerkerterminen
- das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben
- zusätzlich keine Photovoltaikanlage oder Wärmepumpe erforderlich

Neue Rohrleitungen in Würzburgs Innenstadt.

Vorteile der Fernwärme
- keine eigene Heizung erforderlich
- Einsparen von Reparatur- und Wartungskosten
- sichere Wärmeversorgung
- kalkulierbare Kosten ohne finanzielle Überraschungen
- Unabhängigkeit von Handwerkerterminen
- das gute Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben
- zusätzlich keine Photovoltaikanlage oder Wärmepumpe erforderlich