Am Müllfahrzeug angekommen, stellt Ralf zwei davon an die Schüttung. In sie wird der Müll abgeladen – darunter auch der rote Müllbeutel – ehe er in den Aufbau, den Mittelteil des Fahrzeugs, gelangt. Dort wird er hydraulisch mit dem anderen Müll gepresst. Greifarme heben die Tonne nach oben und kippen sie vornüber, sodass sich der Inhalt in den Laderaum entleeren kann. Ein gefährlicher Moment, weswegen die Müllwerker die Tonnen während der Entleerung nicht aus den Augen lassen. Schließlich sollen die Tonnen vollständig entleert werden und wieder sicher auf der Straße landen. Mit einer Kamera auf dem Dach überwacht Fahrer Bernd die Arbeit. Erst wenn der Kippvorgang beendet ist, darf er weiterfahren. Die 34 Müllfahrzeuge der Stadtreiniger sind zwar unterschiedlich alt, aber mit vielen Sicherheitssystemen ausgestattet und immer auf dem neusten technischen Stand. Kostenpunkt pro Fahrzeug: rund 300.000 Euro.

Im Müllfahrzeug sorgen zahlreiche Assistenzsysteme für die nötige Sicherheit.
Wo Gefahren bei der Müllabfuhr lauern Passieren kann auf so einer Tour vieles. Nicht nur am Fahrzeug, sondern auch auf dem Weg zur Mülltonne und zurück. Die Müllwerker müssen Straßen und Schienen kreuzen, auf den Verkehr achten und möglichst lautlos ihre Arbeit verrichten. Nicht umsonst sind sie in orangefarbenen Jacken unterwegs, die schon von Weitem auffallen. „Unsere Arbeitskleidung ist unsere Lebensversicherung“, sagt Peter. So können die Männer von anderen Verkehrsteilnehmern frühzeitig erkannt werden. Vertrauen müssen die Müllwerker auch darauf, dass nichts Falsches in den Mülltonnen landet. Nicht jeder nimmt es mit der Mülltrennung ganz genau. „Wir schauen zwar stichprobenartig in die Tonnen rein, können aber nicht den gesamten Müll durchwühlen.“ Mitunter landen auch Elektrogeräte, Farbeimer oder Sperrmüll in den Behältern. Richtig gefährlich wird es, wenn Gefahrenstoffe darunter sind, etwa heiße Asche, Sprengstoff oder Gasdruckbehälter. „Wenn wir so etwas entdecken, benachrichtigen wir den Eigentümer der Tonne.“ Einmal gelangte heiße Asche ins Fahrzeug und verursachte einen Schwelbrand im Inneren. Sofort musste das Fahrzeug an Ort und Stelle entleert werden, um größeren Schaden zu verhindern. „Da lag der Müll dann mitten auf der Straße.“
Unsere Arbeitskleidung ist unsere Lebensversicherung.
Peter

Wer hart arbeitet, braucht auch eine Pause.
Endstation Müllheizkraftwerk? Am Ende der Tour haben die drei Lader 15 Kilometer Fußmarsch zurückgelegt. Sie nehmen vorne in der Fahrerkabine Platz und fahren zum Müllheizkraftwerk im Gewerbegebiet Ost. Dort angekommen, fährt Bernd das Fahrzeug auf eine im Boden eingelassene Waage, die das Gewicht misst. Danach wird abgerechnet.
Weiter geht es zur Entladestation. Riesige Tore öffnen und schließen sich abwechselnd und geben den Blick frei in einen riesigen Müllbunker, in den der Müll aus dem Fahrzeug abgeladen wird. Ein Platzwart weist die Fahrzeuge, die hier im Minutentakt ankommen und abfahren, ihrem jeweiligen Tor zu. Springt die Ampel über dem Tor auf Grün, darf abgekippt werden. Rückwärts fährt Bernd das Fahrzeug sachte ans Tor und startet die Hydraulik, die den Aufbau nach hinten neigt. Durch die geöffnete Luke fällt der Müll nach unten. Auf einem der haushohen Müllberge kann man den roten Müllbeutel entdecken. Es ist 12 Uhr mittags, die Arbeit der vier Müllwerker ist getan, weiter geht’s zur nächsten Tour. Ab jetzt übernehmen die Mitarbeiter des Müllheizkraftwerks die Arbeit.

Mit der Ablieferung am Müllheizkraftwerk ist die Arbeit der Müllwerker getan. Für den roten Müllbeutel geht die Reise jedoch noch weiter.