

Was ist Klärschlamm?
Klärschlamm entsteht bei der Reinigung von Abwasser in Kläranlagen.
Er besteht aus den festen Stoffen, die aus dem Abwasser herausgefiltert oder durch Bakterien zersetzt werden.
Dazu gehören vor allem organische Stoffe, Nährstoffe wie Phosphor, aber auch Schwermetalle und Rückstände von Medikamenten oder Reinigungsmitteln.
Früher wurde Klärschlamm oft als Dünger auf Feldern verwendet, heute muss er wegen möglicher Schadstoffe meist verbrannt oder speziell aufbereitet werden.
Neue Regeln für die Entsorgung von Klärschlamm
Die Vorschriften zur Entsorgung von Klärschlamm aus städtischen Kläranlagen haben sich geändert:
- Klärschlamm darf künftig kaum noch auf Feldern ausgebracht werden.
- Stattdessen muss der darin enthaltene Phosphor weitgehend zurückgewonnen werden.
- Phosphor ist ein wichtiger Rohstoff, zum Beispiel für Düngemittel in der Landwirtschaft oder für die Industrie.
- Ziel ist es, unabhängiger von Importen aus dem Ausland zu werden.
Ab wann gelten die neuen Regeln?
- Ab 2029: Für große Kläranlagen – zum Beispiel das Klärwerk Würzburg. Dieses reinigt auch das Abwasser aus vielen Gemeinden im Umland (Zweckverband Abwasserbeseitigung Großraum Würzburg).
- Ab 2032: Für mittlere Kläranlagen – zum Beispiel in Winterhausen (Abwasserzweckverband Ochsenfurt) oder in der Stadt Kitzingen.
Zukunftsplan für Klärschlamm: Empfehlung für die Region Würzburg
Der Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg (ZVAWS), der gemeinsam mit den Stadtwerken Würzburg das Müllheizkraftwerk betreibt, bereitet sich schon seit Jahren auf die neuen Regeln zur Klärschlammverwertung vor.
Die Stadt Würzburg hat dazu eine Studie beim Institut Fraunhofer UMSICHT in Auftrag gegeben. Diese zeigt, wie Klärschlamm künftig sinnvoll genutzt werden kann.
Die Empfehlung: Der Schlamm soll zuerst in einer zentralen Anlage am Müllheizkraftwerk getrocknet und dann in einer speziellen Anlage, wie sie das Gemeinschaftskraftwerk (GKS) Schweinfurt plant, verbrannt werden.
Dabei wird Energie gewonnen und gleichzeitig der gesetzlich geforderte Phosphor zurückgewonnen.
Die neue Anlage soll etwa 60.000 Tonnen getrockneten Klärschlamm pro Jahr verarbeiten und dabei Kohle ersetzen.
Klärschlamm trocknen mit der Wärme des MHKW
Für das Trocknen von Klärschlamm in großen Mengen wird viel Wärme gebraucht.
Das Müllheizkraftwerk Würzburg (MHKW) stellt diese Wärme das ganze Jahr über bereit.
Ein Teil davon wird für Strom und Wärme in Würzburg genutzt.
Es bleibt aber noch genug Wärme übrig, um damit auch Klärschlamm zu trocknen.
Die Wärme aus der Müllverbrennung zählt gesetzlich als erneuerbare Energie.
Außerdem liegt das MHKW verkehrsgünstig an der B8 und hat bereits viel Erfahrung mit der Mitverbrennung von Klärschlamm.
Diese Mitverbrennung ist aber wegen neuer Gesetze bald nicht mehr erlaubt, weil sich aus der Asche kein Phosphor zurückgewinnen lässt.
Deshalb ist es sinnvoll, den Klärschlamm am MHKW zu trocknen und die vorhandene Abwärme dafür zu nutzen.
Geplant ist, dass pro Werktag höchstens 20 LKW mit Klärschlamm anliefern und 2 bis 4 LKW getrockneten Schlamm abholen.
Verglichen mit dem gesamten Verkehr am MHKW ist das nur ein kleiner Anteil.
Die neue Trocknungsanlage kann gut in das bestehende Kraftwerk eingebunden werden.
Sie wird so gebaut, dass keine unangenehmen Gerüche nach außen dringen.
Würzburg plant Klärschlamm-Trocknungsanlage
Die Verbandsversammlung hat das Projekt besprochen, verschiedene Gutachten ausgewertet und beschlossen, eine zentrale Trocknungsanlage für entwässerten Klärschlamm am MHKW Würzburg zu bauen.
Die Anlage soll dafür sorgen, dass die angeschlossenen Kommunen und Abwasserzweckverbände in der Region Würzburg und Umgebung zuverlässig ihre Klärschlämme entsorgen können.
Gleichzeitig soll der Betrieb wirtschaftlich bleiben.
Landrat Thomas Eberth, Vorsitzender des ZVAWS und des Zweckverbands Abwasserbeseitigung Großraum Würzburg, sagt: „Der Zweckverband Abfallwirtschaft leistet damit seinen Beitrag zum Aufbau einer langfristig angelegten Infrastruktur zur sicheren, ökologisch hochwertigen und klimafreundlichen Klärschlammverwertung bei fairen Kosten und schafft Planungssicherheit für die kommunalen Klärbetriebe in unserer Region.“
Er fügt hinzu: „Damit schließen wir regional den ökologischen Kreis der Zivilisation, denn dort wo Müll oder Klärschlamm anfällt, wird er mit kurzen Wegen bestmöglich verwertet und genutzt“.
Ein neuer Verbund
Es soll ein neuer Zweckverband gegründet werden, um sicherzustellen, dass die Trocknungsanlage immer gut genutzt wird und sich selbst finanzieren kann.
Kommunen und Abwasserverbände aus der Region können Mitglied werden.
Alexander Kutscher, der Geschäftsführer des ZVAWS, erklärt: „Die Organisationsform Zweckverband ist gerade im Abfall- und Abwasserbereich etabliert und gewährleistet hohe Transparenz in kommunaler Regie.
Ein Pakt zwischen Kläranlagenbetreibern in seinem Einzugsgebiet und dem ZVAWS macht Synergien nutzbar und stärkt beide Seiten bei der Erfüllung ihres öffentlichen Auftrags“.
Landrat Eberth fügt hinzu: „Die Kommunen behalten auf diese Weise ihre eigenen Angelegenheiten in der Hand.
So können Marktschwankungen ausgeglichen und Abhängigkeiten von Interessen Dritter vermieden werden.
Die Wertschöpfung bleibt in der Region.
Die Lösung der Zukunftsaufgabe Klärschlammverwertung mit Phosphorrückgewinnung im regionalen Verbund vermeidet zudem unnötige CO 2-Emissionen durch Reduzierung von Transportmengen und kurze Wege. Schließlich bleibt nach der Trocknung nur noch etwa ein Viertel der vorherigen Klärschlammmasse übrig.“
In den nächsten Wochen und Monaten werden der Zweckverband Abfallwirtschaft und seine Mitglieder die Organisation des Vorhabens in Abstimmung mit den zuständigen Behörden weiterentwickeln.
Der Zweckverband wird auf dieser Internetseite regelmäßig über den Vorhaben-
und Planungsstand berichten und informieren.